Story

Hannes und Uschi im VW GolfIch arbeite in einer Steuerberatungskanzlei in Wien. Eines Tages kam ein Klient und meinte, dass er sein Auto verkaufen möchte, da es schon sehr alt sei und auch einiges zu reparieren wäre. Ich sah aus dem Fenster und erblickte ein weißes Golf I Cabrio. Ich sagte ihm, dass er dieses Auto doch nicht verkaufen könne, da es ja schon fast ein Oldtimer und obendrein ein Klassiker sei. Das wäre ihm egal, er möchte in das Auto nichts mehr investieren und will es loswerden; wenn ich jemanden kenne, der sich dafür interessiert, dann wäre er gerne bereit über den Preis zu reden.

Nach ein paar Tagen – ich hatte schon vergessen, dass jener Klient sein Golf I Cabrio verkaufen möchte – erzählte ich Hannes von dieser Geschichte und dass ich schon mal überlegt habe, dieses Cabrio eventuell selbst zu erwerben, mir aber nicht sicher sei, da so eine Restauration immer mit Geld, teilweise auch mit viel Geld verbunden ist.

Hannes, der ja einen Faible für alte Autos hat, meinte nur „Frag ihn, was er sich preislich vorstellt. Wenn seine Vorstellung für dich halbwegs leistbar ist, dann nimm ihn und wenn du ihn nicht willst, verkaufst ihn einfach weiter.“ Außerdem hat er versprochen, mir zu helfen, wo er kann – was er auch tat, trotz eines vollen Terminkalenders.

Gesagt, getan. Tags darauf rief ich besagten Klienten an und teilte ihm mit, dass ich überlege, ihm das Auto für mich selbst abzukaufen und fragte ihn nach den Daten wie: Baujahr, Kilometerstand, PS, ist das Dach dicht und was genau wäre denn zu reparieren?

Er erklärte mir ganz genau, dass das Auto seit dem damaligen Neukauf in Familienbesitz ist und er selbst bereits seit 20 Jahren damit fährt. Service habe er immer in VW-Werkstätten machen lassen, das Pickerl ist auch gültig bis November 2011, aber dennoch sei einiges an der Karosserie auszubessern, Service gehöre gemacht etc.

Hannes und ich haben uns das Auto auch mal angesehen; man muss aber fairerweise dazusagen, es war schon finster…

Was genau „etc.“ war, sah ich dann, als wir ihn Mitte November nach Unterzeichnung des Kaufvertrages, bei Tageslicht abholten. Da wollte ich mich das erste Mal vor einen LKW werfen. Hannes versuchte mich zu beruhigen und meinte „das ist net so schlimm wie´s ausschaut.“ und als wir ihn dann durch die Waschstraße jagten, sah er auch wirklich nicht mehr so schlimm aus.

Im ersten Moment habe ich mir nur überlegt, wie ich das Auto wieder loswerden könnte bzw. ob ich einen Idioten finden würde, der es mir wieder abkauft. Meine Hoffnung war nur, dass es vielleicht noch mehr Leute wie meinen Mann gibt, dessen Lieblingssatz „die Teile kosten eh nix“ ist.

Die Panik endgültig genommen hat mir dann unser Mechaniker, Norbert, der mir versicherte, dass die Ersatzteile, die er brauchen würde, tatsächlich nicht extrem teuer seien und die Roststellen an der Karosserie könne man auch ohne größere Probleme ausbessern. Also übergab ich meine Neuerwerbung im Jänner 2012 in Norberts Hände, der sich auch sogleich mit viel Engagement an die Arbeit machte.

Erst wurden sämtliche Teile, die man auch nur irgendwie runterbekam, abmontiert und das Auto für die Lackierbox vorbereitet, sodass es aussah wie eine Badewanne.

Die Dichtungen, Fensterscheiben, Gummi- und Kunststoffteile blieben bei Norbert in der Werkstatt und warteten auf mich und einen Putzfetzen.

Nachdem der „Golfi“ vom Lackieren zurückkam, verbrachten Hannes und ich mal einen ganzen Sonntag in Norberts Werkstatt, um eben diese Teile und das Auto selbst von innen zu reinigen. Da ja kein Teppich und keine Sitze drin waren, hatte ich die einmalige Gelegenheit, das Auto von Grund auf zu putzen – allerdings nicht ganz ohne Schäden. Einige Dichtungen verabschiedeten sich und Hannes machte sich gleich daran, diese Teile einigermaßen preiswert aufzutreiben. Ganz so einfach, wie er sich das anfangs vorgestellt hat, war´s dann aber doch nicht und etliche Telefonate, Emails und Ebay-Versteigerungen später musste Hannes einsehen, dass nicht alle Teile so einfach zu bekommen sind und nicht alles so billig ist wie erst angenommen.


Nichtsdestotrotz haben wir alles, was wir brauchten, irgendwie zusammenbekommen. Nachdem ich mit Hannes auch die Prioritätenfrage geklärt habe (sonst würde ich wahrscheinlich heute noch nicht fahren), ging die Restauration auch rasch voran. Ein- bis zweimal in der Woche besuchte ich mein Cabrio und nachdem es ja nun geputzt und neu lackiert war und keine Rostflecken mehr hatte, fing ich an, mich über meinen Oldtimer zu freuen.

Pünktlich zur Frühjahrsausfahrt unseres Oldtimerclubs wurde der „Golfi“ fertig und hat als Party-Mobil auch den ganzen Tag brav durchgehalten. Zwar sind mittlerweile wieder ein paar Kleinigkeiten nachzuprüfen bzw. eventuell zu tauschen, aber momentan kann mich nichts erschüttern und ich freue mich schon auf ein paar schöne Tage im Sommer!

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bei Norbert Schremser, unserem Mechaniker, bedanken, ohne den das vermutlich kein so schönes Ende genommen hätte. Danke, Norbert!

Nicht zu vergessen mein Schatzi, der sich um die gesamte Organisation der Restauration und um die Beschaffung der Teile gekümmert hat!